Vorstellung Wandmalerei

Arbeitsgruppe Wandmalerei

(German National Scientific Committee for the Conservation and Restoration of Wall Painting and Architectural Surface)

Die Arbeitsgruppe "Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche" des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS wurde am 23. April 2010 in München gegründet, auf Initiative einer Gruppe von ICOMOS-Mitgliedern, die sich beruflich, in Praxis und Forschung, mit diesen Fragen befassen. Der Arbeitsgruppe gehören Restauratoren/innen und weitere in der Denkmalpflege tätige Fachleute an, die selbständig bzw. in Institutionen der Denkmalpflege oder an Hochschulen arbeiten. Die Arbeitsgruppe arbeitet eng mit den International Scientific Committees (ISC) von ICOMOS zusammen, insbesondere mit dem ISC "Conservation and Restoration of Mural Paintings". Ebenso arbeitet sie zusammen mit ICOM-CC (Committee for Conservation of the International Council of Museums), hier vor allem mit der "Mural Painting Working Group". Als German National Scientific Committee will die Arbeitsgruppe neben internationalen Fragestellungen insbesondere auch mitteleuropäische, nationale und regionale Aspekte berücksichtigen.

Sprecherin der Gruppe: Prof. Dr. Dipl. Rest. Ursula Schädler-Saub, mit den beiden Vertretern Dr. phil. h.c. Jürgen Pursche und Prof. Dr. Dipl. Rest. Nicole Riedl.

Kontakt: Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, Email: wandmalerei@icomos.de


Mitglieder der AG und vor Ort tätige Restauratoren/innen auf dem Gerüst in der Kirche St. Veit in Stuttgart-Mühlhausen (Foto: T. Eschebach, April 2012)

Mitglieder der AG:

Gabriela Aldrete, Köln; Norbert Bergmann, München; Jörg Breitenfeldt, Berlin; Thomas Danzl, Dresden; Tjalda Eschebach, Potsdam; Ivo Hammer, Wien; Dörthe Jakobs, Stuttgart; Ute Joksch, Berlin; Werner Koch, Potsdam; Roland Lenz, Esslingen; Mechthild Noll-Minor, Berlin; Michael Petzet, München; Heike Pfund, Berlin; Jürgen Pursche, München; Jan Raue, Berlin; Nicole Riedl, Hildesheim; York Rieffel, Berlin; Elisabeth Rueber-Schuette, Halle; Ursula Schädler-Saub, Hildesheim;Matthias Staschull, München; Wanja Wedekind, Berlin.

 

Was bedeutet "Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche"?

Die fachliche Entwicklung der Wandmalereirestaurierung im deutschsprachigen Raum hat seit den 1970er Jahren zu einer Ausweitung der Definition und des Tätigkeitsbereichs von Restauratoren/innen geführt. Auf der Grundlage eines weit gefassten Verständnisses von Kulturdenkmal befassen sich die auf diesem Gebiet arbeitenden Fachleute nicht nur mit Wandmalerei, sondern generell mit Architekturoberfläche als integralem Bestandteil von Denkmalen. Darunter versteht man Wandmalerei, auch die archäologischen Zeugnisse der Wandmalerei und die Höhlenmalerei, zudem Mosaik, Putz und Stuck sowie ganz allgemein Architekturfassungen und Architekturdekorationen aller Art. Historische Wandmalereien und Architekturoberflächen sind an Fassaden und in Innenräumen mit ihrer architekturbezogenen Ausstattung und ihrer vielfältigen Oberflächengestaltung zu finden, ebenso im Bereich der Archäologie und der historischen Stätten allgemein. Zu berücksichtigen sind sowohl die in situ erhaltenen Kunstwerke und Kulturzeugnisse als auch die aus ihrem originalen Kontext herausgenommenen Stücke, z. B. abgenommene und auf bewegliche Träger transferierte Wandmalereien und Mosaiken, die heute in Museen und Sammlungen präsentiert werden.

 

Die Vielfalt dieser historischen Zeugnisse von der Frühgeschichte bis in die jüngste Vergangenheit ist faszinierend und gleichzeitig eine Herausforderung an die Fachleute: sie müssen sich mit ganz unterschiedlichen historischen Materialien, handwerklichen und künstlerischen Techniken sowie mit den damit verbundenen spezifischen Problemen der Erhaltung, Konservierung und Restaurierung auseinandersetzen. Da historische Zeugnisse der Wandmalerei und Architekturoberfläche im Allgemeinen integraler Bestandteil eines Einzeldenkmals, eines Denkmalensembles oder einer archäologischen Stätte sind, kommen weitere komplexe Fragen der Erhaltung, Nutzung, Präsentation und Vermittlung hinzu. Eine derartige fachliche Herausforderung lässt sich nur in Teamarbeit und im interdisziplinären Austausch erfüllen.

Denkmalpflege und Erhaltung von Wandmalerei und Architekturoberfläche:
Was gehört zu den Aufgaben der hier tätigen Fachleute?

Die Substanz und das Erscheinungsbild von Kulturdenkmalen sind wesentlich durch gestaltete Architekturoberflächen bestimmt, vom Fußboden bis zum Deckengemälde. Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche zählen daher zu den zentralen Aufgaben von Restauratorinnen und Restauratoren in der Denkmalpflege, in Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten. Dazu gehören zunächst die Bestandserfassung, Untersuchung und Dokumentation, das Monitoring, die Pflege und Wartung sowie Maßnahmen der Prävention. Auf dieser Grundlage erfolgen die Konservierung der überlieferten Originalsubstanz sowie Maßnahmen der Restaurierung und Präsentation. Die komplexen Aufgabenstellungen erfordern umfangreiche theoretische Kenntnisse, technische Fähigkeiten, handwerkliches Geschick und ästhetische Sensibilität. Angesichts dieser Anforderungen hat sich inzwischen die akademische Ausbildung durchgesetzt, mit speziellen Studiengängen der Konservierung und Restaurierung, die an einigen deutschen Hochschulen auch den Studienschwerpunkt Wandmalerei und Architekturoberfläche anbieten. Da es sich in der Denkmalpflege zumeist um interdisziplinäre Fragestellungen handelt, kooperieren Restauratoren und Restauratorinnen mit den verschiedensten Forschungseinrichtungen und Materialprüfungsanstalten. Vor Ort, in der alltäglichen Praxis, arbeiten sie zusammen mit Denkmaleigentümern, Gemeinden, Bauämtern und Architekten; neben der operativen Tätigkeit ist die fachliche Beratung dabei sehr wichtig. Zu den Aufgaben von Restauratorinnen und Restauratoren zählt auch die Öffentlichkeitsarbeit, um das allgemeine Verständnis für die Problematik zu fördern und das gesellschaftliche Engagement für die Erhaltung von historischen Wandmalereien und gestalteten Architekturoberflächen zu stärken.

 

Spezielle Herausforderungen bei den Welterbestätten, Beispiele aus Deutschland

Neben den allgemeinen Aufgaben der Prävention, Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche stellen sich bei den deutschen Welterbestätten insbesondere folgende Fragen und Herausforderungen:

Wie lässt sich die intensive touristische und/oder kulturelle Nutzung einer Welterbestätte mit den Erfordernissen der Erhaltung von Wandmalerei und Architekturoberfläche verbinden?

 

Wie können historische Architekturoberflächen von Wohn- und Geschäftshäusern authentisch erhalten bleiben, wie können die praktischen Vorstellungen der Eigentümer und Nutzer dabei berücksichtigt werden?

 

 

Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Eigentümer z. B. für:

Architekturoberflächen und ihre Bedeutung für die Vermittlung historischer und ästhetischer Werte

Vergessene und nicht sichtbare Originale

 

Aktuelle Berichte von den deutschen Welterbestätten, Thema Wandmalerei und Architekturoberfläche

  • neue Welterbestätte Markgräfliches Opernhaus Bayreuth: die Architekturoberflächen, Problematik der 1930er Jahre Fassung und der Fassung des 18. Jh.
    www.sanierung-opernhaus-bayreuth.de
  • Welterbestätte Dom und St. Michael in Hildesheim: eine Masterthesis zu einem bei den Bauarbeiten im Jahr 2010 geborgenen Fußbodenfragment des frühen 11. Jh. aus dem Hildesheimer Dom: Mihail Safronov: Ein romanisches Fußbodenfragment aus dem Hildesheimer Dom. Konservierung, Restaurierung und Präsentationskonzept. Masterthesis an der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen, WS 2012/13 Im September 2010 konnte ein Fragment eines romanischen Kalkestrichfußbodens mit ornamentalen Einlagen aus Ziegel und Schiefer aus dem Hildesheimer Dom St. Mariä Himmelfahrt geborgen und einer Entstehungszeit zwischen 1000 und 1022 n. Chr. zugeordnet werden.
    Ziel der Bemühungen war die museale Präsentation des Fußbodenfragments auf einem starren Träger. Im Zuge der Masterthesis wurden der kunstgeschichtliche Hintergrund und der technische Aufbau des Fußbodenfragments erarbeitet sowie ein Konservierungs- und Restaurierungskonzept erstellt. Naturwissenschaftliche Untersuchungen unterstützten die Identifizierung von Materialien und Strukturen des Fußbodens. In Bezug auf die spätere museale Präsentation wurden optimale klimatische Bedingungen bestimmt, um die Ausbreitung eines mikrobiellen Befalls zu unterbinden. Im Anschluss an diese Arbeit wurde das Objekt vom Autor der Thesis restauriert und in einer Ausstellung des Hildesheimer Dommuseums präsentiert. Der Text schließt mit einer Dokumentation der Restaurierungsarbeiten. Prüfer: Prof. Dr. Karin Petersen, Dr. Witold Domogalla

 


fussbodenfragment
Das geborgene und konservierte Fußbodenfragment aus dem frühen 11. Jh. aus dem Hildesheimer Dom (Foto und Konservierung Mihail Safronov, HAWK HHG)

 

 


huettenlehm

 

Welchen Aufgaben widmet sich die Arbeitsgruppe?

Die Arbeitsgruppe "Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche" des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS arbeitet als National Scientific Committee eng mit dem International Scientific Committee on Mural Paintings und anderen nationalen und internationalen Fachgruppen von ICOMOS zusammen. Die Mitglieder beziehen sich in ihrer Arbeit auf das Grundsatzpapier von ICOMOS zur Erhaltung, Konservierung und Restaurierung von Wandmalereien, das 2003 in Victoria Falls verabschiedet wurde.
www.international.icomos.org

Zu den Zielsetzungen und Aufgaben der Arbeitsgruppe zählen:

  • Sensibilisierung der Fachwelt und der Öffentlichkeit für das vielfältige Erbe an Wandmalereien und Architekturoberflächen und die Möglichkeiten seiner fachgerechten Erhaltung. Das besondere Augenmerk ist dabei auf die deutschen Welterbestätten gerichtet. Die Aufmerksamkeit gilt darüber hinaus aber grundsätzlich allen historischen Zeugnissen der Wandmalerei und Architekturoberfläche.
  • Aufbau eines Netzwerks zum Austausch fachlicher Erfahrungen, Erkenntnisse und Entwicklungen auf dem Gebiet der Erhaltung von Wandmalereien und Architekturoberflächen. Dies erfolgt u. a. mit der Besichtigung aktueller Projekte der Konservierung und Restaurierung durch die AG.
  • Beförderung und Aktivierung wissenschaftlicher und operativer Kooperationen mit der Bau- und Kunstdenkmalpflege, der Bauforschung und der Archäologie auf dem Gebiet der Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche.
  • Aufbauend auf den ICOMOS-Principles for the Preservation and Conservation/Restoration of Wall Paintings von 2003 Erarbeiten von Konzepten zur Erhaltung von Wandmalerei und Architekturoberfläche.
  • Ausrichtung internationaler ICOMOS-Fachtagungen und kleinerer Tagungen auf nationaler Ebene zu aktuellen Fragen der Erforschung und Erhaltung von Wandmalerei und Architekturoberfläche.
  • Wahrnehmung beratender Aufgaben bei komplexen Fragen der Erforschung und Erhaltung von Wandmalerei und Architekturoberfläche, für die deutschen Welterbestätten.

Derzeit sind folgende Themen in Planung:

Neue Themen: Graffiti als Kunst, Graffiti als Vandalismus
z. B.: Raumfassungen und Architekturoberflächen des 19. Jh.
z. B.: Wandmalerei und Raumkonzepte der Renaissance
z. B.: künstliche Grotten des 19. Jh. (Beispiel: Venusgrotte in Linderhof) in Kooperation mit der SPSG Berlin-Brandenburg
Herausgeben einschlägiger Fachpublikationen zu diesen Themen

Zur Publikationsliste
 

Aktuelle Projekte der Arbeitsgruppe

Mitglieder der Arbeitsgruppe widmen sich verschiedenen Einzelthemen, an denen gemeinsam und im Austausch mit Hochschulen und anderen Fachinstitutionen auf nationaler und internationaler Ebene gearbeitet wird.

 


Glossar
Glossar-Arbeitsteam der AG in Schloss Nymphenburg, im Spiegelsaal der Amalienburg (Foto: BSV)

 

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